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Die Orgeln der Stechinelli-Kapelle Wietze (Wieckenberg)

Disposition der Walcker-Orgel (abgebaut 2020)
Fotos
Eine "Italienerin" für Stechinelli
Die neue Orgel - Geschichte der Orgeln in der Kapelle
Disposition

Disposition der Walcker-Orgel (abgebaut 2020)
erbaut von Walcker Orgelbau (1971)

Manual Pedal
Gedackt 8' angehängt
Rohrflöte 4'
Prinzipal 2'

Sesquialter 2fach
Scharff 3fach

geteilte Schleifen, Pedalkoppel

Diese Orgel erklingt nun in der Dorfkirche in Gülden in der Kirchengemeinde Zernien.
Fotos


Eine "Italienerin" für Stechinelli
die neue Orgel für die Stechinelli-Kapelle

In den letzten zwei Jahren haben wir viel Werbung gemacht für das neuste Projekt unserer Kirchengemeinde: Eine neue Orgel für die Stechinelli-Kapelle.
Die alte Orgel in Stechinelli stammt aus den 50ger Jahren und ist eine sogenannte "Fabrikorgel", also eine Orgel  "von der Stange", die akustisch nicht in unsere Kapelle eingepasst ist. Das merkt man vor allem bei gut besuchten Gottesdiensten, dann ist die Orgel manchmal im Chorraum nicht mehr zu hören und das kommt gar nicht so selten vor, denn die Kapelle hat sich in den letzten Jahren zur Hochzeitskirche für die ganze Region entwickelt.
So haben wir begonnen, auch mit Unterstützung des Kirchenmusikers Axel LaDeur, zu planen und Spenden dafür einzusammeln.

Sehr schnell sind in den letzten beiden Jahren allein durch Spenden und Kollekten 30.000,- € als Grundstock zusammengekommen. Allen Gebern sei an dieser Stelle schon einmal ganz herzlich gedankt!
Diese Grundkapital hat es möglich gemacht in die konkreten Planungen einzusteigen. Mit den landeskirchlichen Bau- und Orgelsachverständigen wurde ein Konzept für eine neue Orgel ausgearbeitet und mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Danach wurden drei Orgelbauer um einen Entwurf gebeten. Diese wurden ausgiebig geprüft und es wurden noch Veränderungen am Konzept vorgenommen. Schließlich haben sich die Experten und der Kirchenvorstand für einen Entwurf des Orgelbauers Bente, aus Helsinghausen entschieden, unter dem Vorbehalt, der gesicherten Finanzierung.

Nach seinem Angebot, zusätzlich aller Einbaumaßnahmen und der farbigen Aussengestaltung der Orgel ist mit 115.137,24 € an Kosten zu rechnen, die finanziert werden müssen - ein dicker Brocken trotz unseres Grundstocks! Viele Anträge auf Zuschüsse durch Dritte wurden gestellt. Aber - es ist  kaum  zu glauben - die Finanzierung ist gesichert! Die Landeskirche in Hannover gibt uns 30 % der reinen Orgelbaukosten dazu, das sind noch mal ca. 30.000,- €. Aus LEADER-Mitteln für das Aller-Leine-Tal erhalten wir  35.087,24 €. Das Landschaftliche Kollegium des Fürstentums Lüneburg in Celle hat uns 6150,- € für die farbliche Aussengestaltung der Orgel in Aussicht gestellt. Die restlichen 13.900,- € können wir aus Rücklagen der Kirchengemeinde dazutun.
Ein paar kleine bauliche Probleme müssen in den nächsten Tagen noch geklärt werden, aber dann steht dem Abschluss eines Orgelbauvertrages mit dem Orgelbauer Bente nichts mehr im Wege.Dieser hat zugesagt, die Orgel im nächsten Jahr fertigzustellen. Wenn alles gut geht, werden wir sie im Herbst nächsten Jahres (2020) in Betrieb nehmen können!

Uns so soll die "Italienerin" für Stechinelli aussehen:


Wir haben uns für eine Aufstellung vor der Chorschranke und vor der Stechinelliprieche neben der Eingangstür entschieden. Damit dürften die akustischen Probleme gelöst sein und auch für Konzerte ist dieser Aufstellungsort bestens geeignet.
Die Orgel soll passend zur Kapelle eine Orgel im "italienischen Stil " sein, das heißt, sie hat einige spezielle Register, die für die Klänge des italienischen Barocks typisch sind, ist aber auch eine ganz normale Orgel für die Gottesdienstbegleitung.
Obiges Bild ist nur eine Skizze. Wie sie ganz genau aussehen wird die "Itallienerin" für Stechinelli, kann erst während des Baus entschieden werden.

Bericht: Reinhard Überrück - Ende 2019


Die neue Orgel - Geschichte der Orgeln in der Kapelle

Die Stechinelli-Kapelle ist eine Stätte für Gottesdienste, daher zählte schon immer eine Orgel zur Ausstattung.

Über die erste Orgel der Kapelle ist nur bekannt, dass sie sieben Register hatte und 1780 durch den Gutsbesitzer von Spörcken in die Kirche in Langlingen versetzt wurde. Dort war von Spörcken Patron. Die Orgel tat in Langlingen bis 1851 ihren Dienst über dem Altar stehend.
Was ab 1780 für die Gottesdienstbegleitung in der Stechinelli-Kapelle benutzt wurde, ist nicht bekannt.

Am Anfang des 20. Jh. befindet sich auf der Orgelempore aber ein noch mit mechanischem Blasebalg betriebenes Harmonium.

In den 1950er und 60er Jahren, in einer Zeit, die noch von den Zerstörungen des 2. Weltkrieges und dem aufkommenden Wirtschaftswunder geprägt war, wurden vielerorts Orgeln restauriert oder neu gebaut. Auch für die Stechinelli-Kapelle wurde über die Neuanschaffung eines Pfeifeninstrumentes nachgedacht.
Die Auftragsbücher der Orgelbauer waren übervoll. Man reagierte mit einem großen Ausstoß an eher mittelmäßigen Instrumenten, oftmals unter Verwendung von Materialien, die sich als nicht dauerhaft erwiesen. Auch klanglich wurde eher mit groben Strichen gearbeitet. Der für eine Orgel so wichtige Vorgang der Intonation, also die Anpassung des Klangs an den Raum, fand so gut wie gar nicht statt. Der Begriff der »Fabrikorgel« entstand in dieser Zeit und bezeichnet seriell gefertigte Orgeln, die einfach nur noch in Kirchen- oder Gemeinderäumen aufgestellt wurden. Zum Vergleich: eine Orgel wird im klassischen Orgelbau speziell für den Raum gebaut, eingerichtet und intoniert, in welchem sie später stehen soll.
Das 1971 in der Stechinelli-Kapelle aufgestellte Instrument war eine solche Fabrikorgel (von der Fa. Walcker , D-Positiv mit fünf Registern). Ihr Klang war aber bei großen Gottesdiensten nicht ausreichend, um den Raum zu füllen.

Der Wunsch nach einem neuen Instrument mit tragfähigem Klang bestand schon lange, und so begab man sich auf den Weg. Ein raumfüllender Klang hängt von einer Mindestlänge der Pfeifen ab, somit schied der traditionelle Aufstellungsort auf der Empore aus und aus raumästhetischen Gründen kam nur der Platz gleich neben der Eingangstür infrage. Weiterhin durfte die Größe des Instrumentes nicht den Raum und der finanzielle Aufwand nicht die Gemeindekasse überfordern. Eine Kleinorgel mit allenfalls sechs Registern schien daher machbar und konnte auch innerhalb von vier Jahren durch viele Spenden, EU-LEADER-Mittel und einen Zuschuss der Landeskirche realisiert werden.
Orgel ist nicht gleich Orgel. Instrumente können je nach Landstrich und Zeitepoche sehr unterschiedlich sein, allein in Deutschland (dem Land mit der höchsten Dichte an Orgeln in der Welt!) unterscheidet man schon wenigstens drei Grundtypen mit vielen Spielarten.
Blickt man sich bei der Auswahl in Europa um, stößt man, die o.g. Vorgaben in der Stechinelli-Kapelle mit berücksichtigend, auf die italienische Orgel, wie sie seit dem 15. Jh. bis heute gebaut wird. Dieser Orgeltypus besticht durch einen sehr weichen, aber tragfähigen Klang und passt auch unter historischen Gesichtspunkten sehr genau in das Profil unserer Kapelle.

Mit Orgelbaumeister Jörg Bente (Helsinghausen) fand sich ein überregional bekannter Fachmann für unser Vorhaben und nun steht sie also da -
die Italienerin in der Stechinelli-Kapelle! Die alte Walcker-Orgel tut nun in der Dorfkirche in Gülden in der Kirchengemeinde Zernien ihren Dienst.


Disposition der "Italienerin"
erbaut von Orgelbau Bente, Helsinghausen (2020)

Manual Pedal C-c0
Principale 8' (8' ab f⁰, C-e⁰ als Gedackt 8') angehängt
Ottava 4'
Decima quinta 2'

Decima nona 1 1/3'
Voce umana 8' unterschwebend, ab c¹
Flauto in duodecima 2 2/3'

Usignolo (Nachtigall)
Noli me tangere

Mitteltönige Stimmung

mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
Fotos: Daniel Kunert
Fotos Orgel-Entwurf: Kirchengemeinde St. Michael Wietze
Fotos der "Italienerin": Kirchengemeinde St. Michael Wietze
OI-W-47
weiterführende Links:

Webseite St. Michael Wietze
Webseite Stechinelli-Tag