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Die Orgel der Dreifaltigkeitskirche Wachsenburg-Holzhausen

Die Orgel
Disposition

Die Restaurierung

Die Orgel

Auf der Westempore prangt als nunmehr wieder in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk die wertvolle historische Orgel des Orgelbaumeisters Johann Michel Hesse. Der Begründer der Dachwiger Orgelbauerdynastie begann laut Ortschronik 1788 mit ihrem Bau. Es gab bereits Vorgängerorgeln. Laut historischen Schriften ist die Kirche 1646 „stark repariert worden“ und dazu wurde im gleichen Jahr „auch ein neu Orgelwerck erbauet, welches aber vor einigen Jahren in noch bessern Stand versetzet worden“.
Bis heute konnte nicht exakt ermittelt werden, wann Johann Michael Hesse den Bau der Orgel in Holzhausen vollendet hat. Fest steht, dass sie im Laufe ihrer Geschichte mehrere Umbauten und Reparaturen erlebte, aber auch jetzt noch über einen hohen Anteil originaler Substanz verfügt.

Von 2014 bis 2017 wurde das durch einen Wasserschaden, Schmutzablagerung, den Zahn der Zeit und Marderbisse  stark in Mitleidenschaft gezogene Instrument durch die Firma Orgelbau Waltershausen GmbH umfassend restauriert. Dabei wurde die ursprüngliche Stimmung und die auf die Werkstatt Hesse / Meißner zurückgehende Disposition wieder hergestellt. Die Prospektpfeifen wurden nach dem Vorbild anderer Hesseorgeln erneuert, ebenso das Pedalregister Posaune 16 Fuss. Der neu belederte, alte Balg kann nach wie vor auch durch einen Bälgetreter, den Kalkanten, bedient werden. An den Tastenfronten findet sich eine weitere Besonderheit: Sie sind marmoriert. Im Oberwerk original erhalten, wurden sie im Hauptwerk mit besonderer Technologie nachgestaltet.
Auch das Gehäuse der Orgel erhielt sein ursprüngliches Aussehen zurück, aufwändig und liebevoll restauriert von der Restauratorin Annette Bohrloch.

Holzhausen kann stolz sein auf seine Orgel, stammt sie doch aus einer Firma, die zu ihrer Zeit die bedeutendste in unserer Region war. Sie schließt  sich  nahtlos an das Schaffen von Trost und Schröter an. Die Instrumente der Hesse-Familie zeichnen sich durch hervorragende Klangeigenschaften und eine äußerst solide Bauweise aus und zeigen in den Details eine sehr überlegte und liebevolle Ausführung.

Möge das nun wieder wunderbar erklingende Instrument noch viele Jahre zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen erklingen.

Disposition der Johann Michael Hesse-Orgel

restauriert von 2014-2017
(Registerabfolge auf der Windlade)

Hauptwerk 1. Manual C-d3 Oberwerk Positiv 2. Manual C-d3 Pedalwerk C-c1
Principal 4` * Sesqialtera 2 fach ** Posaune 16´ ****
Viola di Gamba 8´ Oktava 2´ Oktavbass 8´
Bordun 8´ Principal 4´ Violonbass 16´
Quinta  3' Quintatön 8´ Subbass 16´
Nachthorn 4´ Flauto dolce 4´  
Oktava 2´ Stillgedackt 8´  
Mixtur 4 fach Flauto traverso 8´ C - H ***  
Hohlflöte 8´    

* Prospekt, letzte Oktave Innenpfeifen
** einfach C - H, ab c° 2fach
*** gemeinsam mit Stillgedackt
**** rekonstruiert

Manualkoppel, Pedalkoppel,
Glockenaccord (ergänzt), Tremulant,  Kalkantenwecker (jetzt als Gebläseschalter genutzt)



Stimmung: gleichstufig, a'=495 Hz bei 15 °C  (2 Halbtöne über heutiger Normalstimmung)
Gesamtzahl der Pfeifen:  1044 + 16 stumme Pfeifen im Prospekt

Die Restaurierung

 Die Hesse-Orgel in Holzhausen wird am 3.12.2017 wieder eingeweiht

Geht in den Abendstunden  jemand an der Kirche in Holzhausen vorbei, wundert er sich vielleicht über die erleuchteten Fenster. Noch mehr mag er sich wundern, wenn immer wieder einzelne Töne aus dem Gotteshaus dringen. Orgeltöne, immer wieder die gleichen, dann der nächst höhere, wieder und wieder. Was ist das? Nun, der Intonateur ist seit einigen Wochen am Arbeiten. Ihm obliegt die vielleicht komplizierteste und wichtigste Aufgabe nach der Restaurierung der gesamten Orgel.Er stimmt die Pfeifen. Alle Pfeifen- und das sind bei unserer Orgel 1045- müssen einzeln auf den Raum und aufeinander eingestimmt werden. Kleine Veränderungen müssen an den Pfeifen getroffen werden, oft mit großer Wirkung. Eine winzige Anpassung kann den Klang komplett verändern. Dazu braucht es Geschick, ein äußerst gutes Gehör, viel Geduld und Ruhe.

Wir schauen uns vor dem großen Ereignis der Orgelweihe in der Kirche um, wenn der Intonateur eine Pause einlegt.
Kommt der Besucher in die sanierte, mit hellen Farben neu gestrichene Dreifaltigkeitskirche in Holzhausen und wendet den Blick zur Westempore, hat er die Orgel vor sich.
Wie ein eigenständiges Gesamtkunstwerk  prangt monumental das historische Instrument auf der Empore. Das Gehäuse ist wieder wie zu seiner Entstehung im Jahre 1788  in warme  Brauntöne holzsichtig gefasst. Die nach historischem Vorbild erneuerten Prospektpfeifen stehen strahlend in einem Mittelturm, umrahmt von sechs Feldern. Bekrönt sind diese von handwerklich anspruchsvoll gefertigten Gesimsen in barocken Formen.
Wer sich an das Aussehen der Orgel vor ihrem Ausbau im Herbst 2014 erinnert, meint, ein anderes Instrument stehe da. Seit der Neugestaltung der Kirche mitsamt ihrer Ausstattung im Jahre 1977 war das Grundgerüst des Orgelgehäuses weiß, die Füllungsfelder im unteren Teil oxidrot und die Gesimse oxidrot, dunkelgrün, hellgrau und gold abgesetzt.
Nun, nach der in mühevoller  Kleinarbeit erfolgten Restaurierung ihres ursprünglichen Aussehens durch die Restauratorin Annette Bohrloch aus Seebergen wirkt die „Königin von Holzhausen“ geradezu majestätisch. Es kommen die schlichten, aber wirkungsvollen Formen ihres Gehäuses wieder klar zur Geltung.

Schauen wir uns das Instrument, das der zu seiner Zeit hoch geschätzte Dachwiger Orgelbaumeister Johann Michael Hesse für Holzhausen erbaute und das nun von 2014 bis 2017 von der Firma Orgelbau Waltershausen restauriert wurde, aus der Nähe an. Dazu verlassen wir das untere Kirchenschiff und steigen über eine Außentreppe zur  Empore.
Das weitestgehend original erhaltene Gehäuse schützt und verbirgt das Pfeifenwerk. Es wurde sorgfältig restauriert und zum Teil nach historischem Vorbild rekonstruiert. Bis zum Tonnendach der Kirche ragen die großen Holzpfeifen des Pedalwerks. Davor stehen Metallpfeifenreihen „wie die Orgelpfeifen“ auf ihren ebenfalls restaurierten Windladen. Das alles ist durch eine kleine Türe zu sehen. An der Innenseite dieser Tür ist ein restauratorisch  gesichertes handschriftliches Signet des Erbauers dieser Orgel zu entdecken.
Die Spielanlage ist original erhalten. Frisch restauriert, ist sie eine wahre Augenweide. Der Spielschrankbereich mit seinen Intarsienarbeiten, die Klaviaturen aus Ebenholz, die an manchen Stellen erneuerten Tastenbeläge, die schwarzen Manubrien mit zum Teil erneuerten Glasschildern, hinter denen in Originalschrift das jeweilige Register notiert ist und die überarbeitete Pedalklaviatur geben ein ansprechendes Bild.
Genaueres Hinsehen lohnt sich auch bei  die Tastenfronten. Hier findet sich marmoriertes Papier, das  in der unteren Klaviatur nach Erforschen der Herstellungstechnik erneuert wurde. Ob jemand den Unterschied zu der original erhaltenen Marmorierung im Oberwerk erkennt? Ich glaube kaum. Diese Marmorierung ist einmalig bei Hesse- Orgeln.  An den Johann Michael Hesse-Orgeln in  Möbisburg, Dachwig und Gispersleben finden sich an den Tastenfronten geprägte Engelsköpfe in schwarz oder weiß.
Nicht vergessen werden darf die Orgelbank. Nach Begutachtung durch die Restauratorin stellte sich heraus, dass diese ebenso alt  wie die Orgel selbst ist und original dazu gehört. Deshalb wurde auch noch die ursprüngliche Fassung Bank freigelegt und restauriert.
Rechts neben der Orgel befindet sich ihre nun wieder kraftvolle „Lunge“, der große Blasebalg. Er wurde neu beledert und funktioniert nicht nur über einen Motor, sondern kann auch wie eh und je durch einen sogenannten Kalkanten, den Bälgetreter, bedient werden.

Um die vielgerühmten Klänge der Hesse-Orgel zu hören, sollten wir uns wieder nach unten begeben.
Jedes einzelne der 19 Register hat eine besondere Klangfarbe. Im Zusammenklang  füllt die Orgel alle Winkel der Kirche, wenn der Intonateur seine Arbeit beendet hat.
An die in dieser Generation noch nicht wahrgenommenen schnarrenden Töne des tiefen Pedalregisters „Posaune 16 Fuss“, das nach historischem Vorbild rekonstruiert wurde und in allen Hesse-Orgeln stand, muss man sich vielleicht erst gewöhnen. Doch nach einem Konzert an dieser Orgel ist klar, dass es seine Berechtigung und besondere Funktion hat.
Mit der Betätigung eines bislang leeren Registerzuges  erklingt überraschend mit einem fröhlichen  „pling pling pling“ der Glockenaccord. Er wurde von Orgelbaumeister Joachim Stade in einem Nachlass der Firma Helfenbein entdeckt. Da dieser Glockenaccord nahezu identisch ist mit den Hess´schen, wurde er für Holzhausen wiederhergestellt.

 Der für die Orgelrestaurierung am 3.7.2012  gegründete Verein zur Erhaltung der Hesse-Orgel in der Dreifaltigkeitskirche Holzhausen und die Kirchgemeinde Holzhausen sind  glücklich und stolz, dass nach vielen Jahren engagierter intensiver Arbeit und dank der Hilfe und Unterstützung Vieler das Werk bald vollendet sein wird. Unsere bedeutsame historische Orgel  ist gerettet und erklingt und erstrahlt in neuem Glanz.

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Vielen Dank.

mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde (Gabi Damm)
OI-W-80
weiterführende Links:

Webseite der Kirchengemeinde